Natur pur

Wir saßen im Colectivo von den Ruinen zurück nach Palenque und kamen mit einem Mexikaner namens Serefan ins Gespräch. Er war um die 50 Jahre und hat seit seinem fünften Lebensjahr in Chicago gelebt. Seitdem Trump Präsident ist, lebt er aber wieder in Mexiko-Stadt, der Hauptstadt. Ob aus ideellen Gründen oder aus politischen habe ich nicht ganz verstanden, vielleicht war es auch eine Mischung aus beidem. Er fragte mich im Colectivo, ob er mir helfen könne, denn ich blätterte fragend in unserem Wörterbuch. Da erzählte ich ihm, dass wir eventuell zu den Roberto Barrios Kaskaden wollen und ich ein paar Informationen vom Fahrer brauche. Das Lustige an unserer Begegnung war, dass er genau das gleiche vorhatte und auch dorthin wollte. Er schlief auf einem Campingplatz am Stadtrand und hatte wohl am Tag zuvor von einem Franzosen Bilder gesehen. Jetzt wollte er dort unbedingt auch hin. Agua Azul, DER Wasserfall in dieser Region soll hingegen im Moment nicht so toll sein. Da wir uns noch in der Regenzeit befinden ist das Wasser dort wohl nicht grade azul, sondern eher schlammig braun. Super, dachten wir uns. Dann lassen wir Agua Azul aus. Das ist auch der Wasserfall der mit 65 Kilometern am weitesten von Palenque entfernt ist und der mit Abstand die meisten Überfälle zu verzeichnen hat. Damit stand die Mission für die Restzeit in Palenque: heute noch zu den Kaskaden und am nächsten Tag zum Misol-Ha. Wir verabredeten uns mit Serefan für die gemeinsame Weiterfahrt in einer Stunde. Er ging derweil frühstücken und wir gingen nach Hause kochen. Nach dem Essen suchten wir die Stelle für die Colectivos zu den Kaskaden. Es war sehr amüsant, dass wir wussten wie sie hießen, während Serefan in perfekten Spanisch die Leute auf der Straße ansprach, aber andauernd den Namen des Wasserfalls vergaß. So ergänzten wir uns gegenseitig. Die Fahrt dorthin dauerte etwa eine halbe Stunde und es war die bislang schönste Strecke, die wir hier gefahren sind. Wir sahen fortwährend viele weite mit Dschungel bespickte Berge, ein toller Anblick. Wir hielten in einem kleinen Dorf und liefen einen Schotterweg Richtung Wald. Da sahen wir auch schon das erste Gewässer und liefen an der Gabelung zunächst nach rechts. Wir begegneten zwei Finninen und kurze Zeit später noch einem Franzosen und einem Schweden, sonst war niemand da außer ein paar Kinder, die wohl aus dem Dorf zu sein schienen. Die kannten auf jeden Fall den Fluss und sprangen per Salto ins Nass, dabei war das Wasser nicht so klar, dass man den Grund hätte sehen können. Wir nahmen ein Bad und redeten eine gutes Stück über Gott und die Welt. Währenddessen machte es der Schwede den Kindern nach und kletterte auf einen der Äste entlang, die über das Wasser ragten. Das sah ziemlich lustig aus. Die Kinder kletterten so selbstverständlich wie kleine Affen in den Bäumen herum und der Schwede robbte sich am Ast entlang. Doch auch er wagte den Sprang aus guten acht Metern ins Flussbett. Wir entschieden uns dann dazu auch noch den anderen Weg zu gehen und merkten dann erst, dass das der eigentlich Pfad zu den Kaskaden war. Auf einmal sahen wir Wasserfall um Wasserfall. Uns fiel wirklich die Kinnlade herunter, so etwas schönes hatten wir lange nicht gesehen. Wir genossen die restliche Zeit am Wasser. Das ist so krass, wo kommt all das Wasser her? Rund um die Uhr stürzen hier gewaltige Mengen von einer Kaskade über die andere. In solchen Momenten fühle ich mich sehr verbunden mit allem was ist, der Verstand und das Denken haben dann Pause, Demut überkommt mich. Selig kehrten wir nach ein paar Stunden nach Palenque zurück. Das war ein ziemlich ereignisreicher Tag und die Ruinen, die wir uns noch am Morgen anschauten, fühlten sich bereits soweit weg an. Am letzten Tag fuhren wir dann noch zu einem anderen Wasserfall, dem Misol-Ha. Dieser ist der kleine Bruder vom Agua Azul, auf den Tourangeboten wird hier nur für 25 Minuten Halt gemacht, während erstgenannter zweieinhalb Stunden besucht wird. Dementsprechend wenig war auch los dort, zumal wir weit vor 12 Uhr anwesend waren. Der Wasserfall ist mit einer Höhe von 35 Metern nicht grade ein Winzling. Hinter dem Wasser konnten wir entlang gehen und zahlreiche kleine Quellen sprudelten dort aus dem Gestein. Auf jeden Fall auch ein schöner Flecken Erde. Am darauffolgenden Tag verließen wir Palenque am frühen Morgen und brachen wir nach San Cristobal de las Casas auf. Ein langer Trip stand uns bevor, denn aus Sicherheitsgründen fuhren Reisebusse nicht die fünfstündige Direktstrecke, sondern nahmen einen Umweg über Norden. Somit verlängerte sich die Fahrt um weitere vier Stunden...




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