Santa Ana
Wow, unsere Aufenthalte werden immer länger. Anderthalb Wochen verbrachten wir nun wieder an einem Ort und ich besinne mich erstmal darauf alles Revue passieren zu lassen. Erwähnenswert ist auf jeden Fall schon mal der Reisetag. Da es keine Direktverbindung von Suchitoto nach Santa Ana gab, mussten wir kehrtmachen und zurück nach San Salvador kehren. Das blöde war, dass es dort zwei Busterminals in völlig verschiedenen Stadtteilen gibt und wir nun wieder zurück zum anderen mussten. Einmal quer durch die Stadt hieß es nun wieder. Das war schon hinzu etwas chaotisch und auch diesmal nicht anders. Zuerst gings ins Zentrum und von da wieder zurück Richtung Suchitoto. Dann sollten wir umsteigen, fanden aber keinen Anschluss. Die Sonne peitschte ordentlich und so erhitzten sich auch unsere Gemüter. Man sucht dann schnell die Schuld, was auch immer das sein soll in solchen Situationen, beim anderen. "Ich habs ja gleich gesagt, wir hätten doch lieber..." Ja ja, hätte, wenn und aber.
Wir stiegen dann in irgendeinen Bus Richtung Zentrum, zumindest versuchten wir das. Es war bereits 11 Uhr und alle Menschen waren auf den Straßen bzw. in den Bussen. Mit unserem großen Rucksack kamen wir da einfach nicht mehr rein. Ich dachte noch, das kann doch jetzt alles nicht wahr sein. Auf einmal hielt neben uns ein Auto auf der vollbefahrenen Straße und ein Paar Mitte dreißig fragte bei runtergelassener Scheibe, wo wir denn hin wöllten. Wir stiegen sofort ein und lernten so Pablo und Sol kennen, die uns den Tag retteten und uns einmal quer durch San Salvadors Rush-hour zum richtigen Busbahnhof fuhren. Die beiden standen hinter einem der Busse, in die wir uns vergeblich quetschen wollten und bemerkten, dass wir da nicht reinkamen. Gott segne euch! Und wenn es wieder läuft, dann läufts. Angekommen am Busbahnhof wartete auch schon ein leerer Bus nach Santa Ana und keine zehn Minuten nachdem wir uns von Pablo und Sol verabschiedeten, verließen wir die Hauptstadt San Salvador wieder. Santa Ana kam mir etwas schäbig und schräg vor, so erinnere ich mich an meinen ersten Eindruck. Lag vielleicht daran, dass wir mitten am Markt ausstiegen und da gehts ja bekanntlich immer etwas chaotisch her. Wir fragten uns Richtung Zentrum durch, dort gab es eines der wenigen Hostals in der Stadt. Die meisten lagen auch noch außerhalb, doch Silvester wollte ich nicht in Vierteln verbringen von denen ich noch nichts weiß. Als wir einmal in der Spur waren, standen wir auch schon vor dem ersten Hostal. Und es sollte einer der besten Aufenthalte werden, die wir je irgendwo hatten. Der Betreiber Luis, seine Freundin Jennifer und seine beiden Zwillingssöhne Mario und Carlos setzten alles in Gang, dass wir uns von Anfang an wohl fühlten. Die Zimmer (wir waren zwischenzeitlich in 3 von 4) waren allesamt sauber, die Küche war super ausgestattet, doch das beste war die Atmosphäre dort. Keine Partyscheiße, stattdessen nahmen uns Luis und Jennifer herzlichst auf und wir fühlten uns sofort in die Familie mit eingebunden. So war es nur logisch, dass wir auch den Silvesterabend zusammen verbrachten und ins neue Jahr reinfeierten. Luis versorgte uns desweiteren ausführlich mit allen Informationen, die wir für unsere Ausflüge in und um Santa Ana benötigten. Als erstes schauten wir uns die Ruinen von Tazumal an. Es sind die berühmtesten Ruinen in ganz El Salvador, doch wenn man aus Mexiko und Guatemala kommt sind sie eher ganz nett. Allerdings haben wir schon ein paar Wochen keine mehr gesehen und daher war es doch ein schöner Ausflug. Santa Ana hat auch eine sehenswerte Plaza, auf der jeden Tag und Abend gut was los ist. Um der Plaza herum findet man mit dem Theater und der Kirche auch zwei sehr schöne Bauten. Vor allem die schneeweiße Kirche hat was. Einen anderen Tag machten wir einen Abstecher in die Südstadt, in der sich das Metrocento (eine Shoppingmall) befindet. Schon irre, in Santa Ana Downtown fällt man gar nicht so auf mit Badelatschen, Shorts und T-Shirt. Im Metrocento lief ich vergleichsweise rum wie ein Penner, es ist eine komplett andere Welt, in der sich die Oberschicht tummelt und bummelt. Ich brauchte neue Latschen, aber $45 für ein Paar war uns doch etwas zu heftig. Das Geld was wir am überteuerten Schuhwerk sparten, gaben wir dann am zweiten Tag im neuen Jahr für eine Vulkantour aus. Wir fuhren mit dem einzigen Bus 7.40 Uhr zum Park und nahmen nach der zweistündigen Fahrt erstmal ein Frühstück. Dann war ungefähr um 10 Uhr und Luis hatte uns gesagt, dass man nur mit Guide und Polizei den Vulkan besteigen kann und zwar im Rahmen der Führung um 11 Uhr. Beim Frühstück trafen wir drei Leute aus Colorado. Die parkten ihr Auto, redeten ein paar Worte mit uns und gingen los. Nach dem Frühstück machten wir es den Amis nach und legten unseren deutschen Gehorsam auf Eis. Allerdings trafen wir sie nach einer halben Stunde im Camp am Fuße des Vulkans wieder, wo sich auch schon einige andere Wandersleute eingefunden haben. Ein Aufstieg alleine war also in der Tat nicht möglich. Wir gingen zu den drei Amis, von denen zwei 4 Jahre lang in Wiesbaden in einer amerikanischen Militärbasis gearbeitet haben. Das wäre eigentlich ein guter Spot gewesen mal persönlich nachzuhaken, was die nach über 70 Jahren immer noch bei uns in Deutschland wollen bzw. ob es auch deutsche Militärcamps in den Staaten gibt, doch dafür waren sie mir zu symphatisch. Wir lernten dann tatsächlich noch ein weiteres Paar aus Colorado kennen sowie zwei Engländerinnen und den in Burghausen lebenden El Salvadorianer Ruven mit seiner deutschen Frau Mika. Insgesamt nahmen um die hundert Leute an dem Trek teil, der bislang einer der entspanntesten war. Zumindest vom Anstieg her, aber die Mittagssonne hatte kein Erbarmen. Doch nach etwas über anderthalb Stunden erreichten wir die Spitze und wurden mal wieder für die Mühe belohnt. Zur einen Seite hatten wir Blick auf zwei weitere Vulkane und zur anderen lag der Lago de Coatepeque, ein See der herrlich am Fuße des Vulkan gelegen war. Auch die Sicht in den Vulkan war spektakulär. Im Krater sammelte sich ein kleiner giftgrüner See aus Schwefel. Zumindest roch es danach. Ab und an blubberte und qualmte es ein wenig, doch den letzten verhängnisvollen Ausbruch gabs vor über 50 Jahren. Als wir um 15 Uhr wieder im Camp waren, machten wir eine kurze Verschnaufspause. Dort begegneten wir der schönsten und süßesten Katze, der wir jemals begegnet sind. Die war noch sehr klein und verspielt und ich schwöre, ich hätte sie mitgenommen, wenn sie mir in Cottbus über den Weg gelaufen wäre. Wir hatten dann noch eine Stunde Zeit bis der letzte bzw. einzige Bus wieder zurück nach Santa Ana aufbrach. Mika und Ruven wollten mit uns noch zum See, aber das hätte sich nicht gelohnt und war uns zu heikel von der Zeit her. Wir nutzten die Stunde und machten einen Spaziergang zum Nationalpark Cerro Verde, wo der Bus auch wieder losfuhr und wir somit einen Sitzplatz sicher hatten. Da gabs dann noch eine schöne Aussichtsplattform von der man richtig gute Sicht über die anderen beiden Vulkane hatte. Im Bus sahen wir den Italiener Carlo wieder, den wir schon am frühen Morgen kennenlernten. Auf der Rückfahrt unterhielten wir uns fast die ganze Zeit, Gespächsstoff gab es genug. Carlo hat mit seinen 45 Jahren nun bereits 115(!) Länder bereist, ist mit seinem mittlerweile vierten Reisepass unterwegs und hat somit wortwörtlich "die halbe Welt gesehen". In Europa war er mindestens einmal in jedem Land, genauso wie auf dem amerikanischen Kontinent. Die meisten Länder, die noch fehlen liegen in Afrika bzw. sind kleine Inseln in Ozeanien. Mit manchen Ländern hatte er auch richtig Glück. So besuchte er solche Exoten wie Syrien ein Jahr bevor der Krieg losging oder auch Lybien kurz bevor Gaddafi gestürzt wurde. Seine Lieblingsländer sind Island, Namibia, Tansania und Myanmar. Selbstredend, dass er sich die andere Hälfte nun auch anschauen möchte und dieses Ziel will er in den nächsten 15 Jahren vollenden.
Ansonsten besuchten wir noch das örtliche Schwimmbad, schlenderten durch Santa Ana und verbrachten die Zeit mit den anderen im Hostel. Insbesondere Jenny und Jennifer freundeten sich wirklich gut an. Das lustige ist, das Jennifer ausschließlich Spanisch spricht, doch die beiden verstanden sich blendend und backten jeden zweiten Tag zusammen Plätzchen. Nach der ganzen Zeit in Santa Ana und unserer herzlichen Gastfamilie fiel der Abschied nicht ganz leicht. Tolle Menschen haben wir dieser Tage kennengelernt und eine schöne Zeit gehabt. Vielen Dank dafür, bleibt wohl auf!
Wir stiegen dann in irgendeinen Bus Richtung Zentrum, zumindest versuchten wir das. Es war bereits 11 Uhr und alle Menschen waren auf den Straßen bzw. in den Bussen. Mit unserem großen Rucksack kamen wir da einfach nicht mehr rein. Ich dachte noch, das kann doch jetzt alles nicht wahr sein. Auf einmal hielt neben uns ein Auto auf der vollbefahrenen Straße und ein Paar Mitte dreißig fragte bei runtergelassener Scheibe, wo wir denn hin wöllten. Wir stiegen sofort ein und lernten so Pablo und Sol kennen, die uns den Tag retteten und uns einmal quer durch San Salvadors Rush-hour zum richtigen Busbahnhof fuhren. Die beiden standen hinter einem der Busse, in die wir uns vergeblich quetschen wollten und bemerkten, dass wir da nicht reinkamen. Gott segne euch! Und wenn es wieder läuft, dann läufts. Angekommen am Busbahnhof wartete auch schon ein leerer Bus nach Santa Ana und keine zehn Minuten nachdem wir uns von Pablo und Sol verabschiedeten, verließen wir die Hauptstadt San Salvador wieder. Santa Ana kam mir etwas schäbig und schräg vor, so erinnere ich mich an meinen ersten Eindruck. Lag vielleicht daran, dass wir mitten am Markt ausstiegen und da gehts ja bekanntlich immer etwas chaotisch her. Wir fragten uns Richtung Zentrum durch, dort gab es eines der wenigen Hostals in der Stadt. Die meisten lagen auch noch außerhalb, doch Silvester wollte ich nicht in Vierteln verbringen von denen ich noch nichts weiß. Als wir einmal in der Spur waren, standen wir auch schon vor dem ersten Hostal. Und es sollte einer der besten Aufenthalte werden, die wir je irgendwo hatten. Der Betreiber Luis, seine Freundin Jennifer und seine beiden Zwillingssöhne Mario und Carlos setzten alles in Gang, dass wir uns von Anfang an wohl fühlten. Die Zimmer (wir waren zwischenzeitlich in 3 von 4) waren allesamt sauber, die Küche war super ausgestattet, doch das beste war die Atmosphäre dort. Keine Partyscheiße, stattdessen nahmen uns Luis und Jennifer herzlichst auf und wir fühlten uns sofort in die Familie mit eingebunden. So war es nur logisch, dass wir auch den Silvesterabend zusammen verbrachten und ins neue Jahr reinfeierten. Luis versorgte uns desweiteren ausführlich mit allen Informationen, die wir für unsere Ausflüge in und um Santa Ana benötigten. Als erstes schauten wir uns die Ruinen von Tazumal an. Es sind die berühmtesten Ruinen in ganz El Salvador, doch wenn man aus Mexiko und Guatemala kommt sind sie eher ganz nett. Allerdings haben wir schon ein paar Wochen keine mehr gesehen und daher war es doch ein schöner Ausflug. Santa Ana hat auch eine sehenswerte Plaza, auf der jeden Tag und Abend gut was los ist. Um der Plaza herum findet man mit dem Theater und der Kirche auch zwei sehr schöne Bauten. Vor allem die schneeweiße Kirche hat was. Einen anderen Tag machten wir einen Abstecher in die Südstadt, in der sich das Metrocento (eine Shoppingmall) befindet. Schon irre, in Santa Ana Downtown fällt man gar nicht so auf mit Badelatschen, Shorts und T-Shirt. Im Metrocento lief ich vergleichsweise rum wie ein Penner, es ist eine komplett andere Welt, in der sich die Oberschicht tummelt und bummelt. Ich brauchte neue Latschen, aber $45 für ein Paar war uns doch etwas zu heftig. Das Geld was wir am überteuerten Schuhwerk sparten, gaben wir dann am zweiten Tag im neuen Jahr für eine Vulkantour aus. Wir fuhren mit dem einzigen Bus 7.40 Uhr zum Park und nahmen nach der zweistündigen Fahrt erstmal ein Frühstück. Dann war ungefähr um 10 Uhr und Luis hatte uns gesagt, dass man nur mit Guide und Polizei den Vulkan besteigen kann und zwar im Rahmen der Führung um 11 Uhr. Beim Frühstück trafen wir drei Leute aus Colorado. Die parkten ihr Auto, redeten ein paar Worte mit uns und gingen los. Nach dem Frühstück machten wir es den Amis nach und legten unseren deutschen Gehorsam auf Eis. Allerdings trafen wir sie nach einer halben Stunde im Camp am Fuße des Vulkans wieder, wo sich auch schon einige andere Wandersleute eingefunden haben. Ein Aufstieg alleine war also in der Tat nicht möglich. Wir gingen zu den drei Amis, von denen zwei 4 Jahre lang in Wiesbaden in einer amerikanischen Militärbasis gearbeitet haben. Das wäre eigentlich ein guter Spot gewesen mal persönlich nachzuhaken, was die nach über 70 Jahren immer noch bei uns in Deutschland wollen bzw. ob es auch deutsche Militärcamps in den Staaten gibt, doch dafür waren sie mir zu symphatisch. Wir lernten dann tatsächlich noch ein weiteres Paar aus Colorado kennen sowie zwei Engländerinnen und den in Burghausen lebenden El Salvadorianer Ruven mit seiner deutschen Frau Mika. Insgesamt nahmen um die hundert Leute an dem Trek teil, der bislang einer der entspanntesten war. Zumindest vom Anstieg her, aber die Mittagssonne hatte kein Erbarmen. Doch nach etwas über anderthalb Stunden erreichten wir die Spitze und wurden mal wieder für die Mühe belohnt. Zur einen Seite hatten wir Blick auf zwei weitere Vulkane und zur anderen lag der Lago de Coatepeque, ein See der herrlich am Fuße des Vulkan gelegen war. Auch die Sicht in den Vulkan war spektakulär. Im Krater sammelte sich ein kleiner giftgrüner See aus Schwefel. Zumindest roch es danach. Ab und an blubberte und qualmte es ein wenig, doch den letzten verhängnisvollen Ausbruch gabs vor über 50 Jahren. Als wir um 15 Uhr wieder im Camp waren, machten wir eine kurze Verschnaufspause. Dort begegneten wir der schönsten und süßesten Katze, der wir jemals begegnet sind. Die war noch sehr klein und verspielt und ich schwöre, ich hätte sie mitgenommen, wenn sie mir in Cottbus über den Weg gelaufen wäre. Wir hatten dann noch eine Stunde Zeit bis der letzte bzw. einzige Bus wieder zurück nach Santa Ana aufbrach. Mika und Ruven wollten mit uns noch zum See, aber das hätte sich nicht gelohnt und war uns zu heikel von der Zeit her. Wir nutzten die Stunde und machten einen Spaziergang zum Nationalpark Cerro Verde, wo der Bus auch wieder losfuhr und wir somit einen Sitzplatz sicher hatten. Da gabs dann noch eine schöne Aussichtsplattform von der man richtig gute Sicht über die anderen beiden Vulkane hatte. Im Bus sahen wir den Italiener Carlo wieder, den wir schon am frühen Morgen kennenlernten. Auf der Rückfahrt unterhielten wir uns fast die ganze Zeit, Gespächsstoff gab es genug. Carlo hat mit seinen 45 Jahren nun bereits 115(!) Länder bereist, ist mit seinem mittlerweile vierten Reisepass unterwegs und hat somit wortwörtlich "die halbe Welt gesehen". In Europa war er mindestens einmal in jedem Land, genauso wie auf dem amerikanischen Kontinent. Die meisten Länder, die noch fehlen liegen in Afrika bzw. sind kleine Inseln in Ozeanien. Mit manchen Ländern hatte er auch richtig Glück. So besuchte er solche Exoten wie Syrien ein Jahr bevor der Krieg losging oder auch Lybien kurz bevor Gaddafi gestürzt wurde. Seine Lieblingsländer sind Island, Namibia, Tansania und Myanmar. Selbstredend, dass er sich die andere Hälfte nun auch anschauen möchte und dieses Ziel will er in den nächsten 15 Jahren vollenden.
Ansonsten besuchten wir noch das örtliche Schwimmbad, schlenderten durch Santa Ana und verbrachten die Zeit mit den anderen im Hostel. Insbesondere Jenny und Jennifer freundeten sich wirklich gut an. Das lustige ist, das Jennifer ausschließlich Spanisch spricht, doch die beiden verstanden sich blendend und backten jeden zweiten Tag zusammen Plätzchen. Nach der ganzen Zeit in Santa Ana und unserer herzlichen Gastfamilie fiel der Abschied nicht ganz leicht. Tolle Menschen haben wir dieser Tage kennengelernt und eine schöne Zeit gehabt. Vielen Dank dafür, bleibt wohl auf!
Ruinen von Tazumal
der Vulkan Santa Ana
miau
unsere Gastfamilie am Silvesterabend
im Schwimmbad
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