Antigua

Antigua ist eine der schönsten Städte in ganz Zentralamerika. So wird sie zumindest angepriesen und dementsprechend hoch sind die Erwartungen. Und ja, es ist sehr lebenswert dort. Verständlich, dass hier viele Reisende aus aller Welt hängenbleiben und diese Stadt mittlerweile ihr zu Hause nennen dürfen. Es gibt schöne Architektur, eine richtig tolle und große Plaza und umsäumt wird die Stadt von -festhalten jetzt kommts- Vulkanen. Allerdings befindet sich hier auch mit dem Acatenango einer der höchsten Vulkane in Guatemala. Und der Volcán de Fuego ist sogar noch aktiv, sodass man jeden Tag seine Rauchwolken beobachten kann. Die Stadt erinnert etwas an San Cristobal de las Casas in Chiapas, nur größer und geschäftiger. Außerdem ist der spanische Einfluss deutlich zu sehen. Es kommt einem vom Stadtbild nicht so vor, dass man auf einem anderen Kontinent ist. Man kann hier einiges unternehmen, der Aufstieg zu einem der Vulkane ist natürlich das Highlight, was wir aber ausließen. Wir sind genug gewandert und haben noch viele Länder vor uns. Und nach Guatemala fahren wir defintiv nochmal, der Lago de Atitlán kommt uns nicht so leicht davon. Wir entschieden uns für den weniger anstrengenden Aufstieg zum Hausberg Cerro de la Cruz, von wo aus wir einen tollen Blick über die Stadt und die umliegenden Vulkane hatten. Desweiteren schauten wir uns die Gebäude und Architektur an, wenn es doch schon mal etwas zu sehen gibt. Ganz ehrlich, die schönsten Städte gibt es einfach in Europa. Da kann uns keiner was vormachen. In Lateinamerika sowie Asien dienen sie eher als Mittel zum Zweck und es wird nicht allzu viel wert aufs äußere gelegt. Auch in den USA sollen sie nicht grade der Renner sein gemäß dem Motto: hast du eine gesehen, hast du alle gesehen. Wobei es natürlich hin und wieder Ausnahmen gibt.
Der Markt von Antigua ist einer der besten, den wir bislang auf der Reise erwischt haben. Hier gibts alles was wir brauchen und das nur fünf Minuten vom Zentrum. Hervorzuheben sind die Fruchtsäfte OHNE Zucker, die wir endlich mal genießen durften. Auch das Essen war sehr lecker und absurd günstig. Auf dem Markt trafen wir auch einen sehr interessanten Local. Huriel ist Touranbieter und wollte uns etwas anbieten. So kamen wir ins Gespräch und es stellte sich heraus, dass er ausgezeichnet Deutsch sprach. Er ist einer der faszinierendsten Autodidakten, den wir je kennen lernten. Neben Deutsch und den Standardsprachen Englisch und Französisch beherrscht er auch solche Exoten wie Dänisch, Norwegisch oder Hebräisch. Wir bemerkten im Gespräch auch, dass er etwas "anders" war. Er hatte sogar ein deutsches Buch mit bei, weil Deutsch seine Lieblingsfremdsprache ist. ("Die Kunst des klaren Denkens", manch einer kennt es vielleicht auch)
Wir plauderten bestimmt eine gute Stunde und weil wir seinen Hintergund mitbekamen, aber keine Tour mehr buchten (es war unser letzter Abend in Antigua und die Weiterfahrt war bereits organisiert), entschlossen wir uns ihm 40 Quetzal zu geben. Fünf Euro sind in Guatemala regionenweise sehr viel Geld, die Ärmsten der Armen müssen mit 2 Quetzal (~25 Cent) am Tag zurechtkommen. Da fragte uns Huriel nicht allen Ernstes, ob wir denn für den heutigen Abend auch selbst noch genug Geld für eine Mahlzeit haben. Als wir ihm mehrmals versicherten, dass wir noch genug Geld für uns über hatten, nahm er es schließlich an. Er war neben seiner Sprachbegabung auch sehr stark gläubig und ich denke aus seinem Glauben an Gott schöpfte er auch seine Kraft sowie sein Talent und versackte nicht wie einige seiner Landsleute in der Perspektivlosigkeit.

Da dies unsere (voererst) letzte Station in Guatemala war, hier noch eine kurze Einschätzung nach unserem einmonatigen Aufenthalt dort: Verglichen mit den Mexikanern ist der typische Guatemalteke eher zurückhaltend, dennoch freundlich. Es kam bei uns immer auf den Ort drauf an. In Xela, am Lago de Atitlán oder hier in Antigua ist man auf den Tourismus gut eingestellt und dementsprechend hat sich das Volk gegenüber Ausländern geöffnet. In Orten, die nicht unbedingt ganz oben auf der typischen Route sind, wirken die Menschen etwas reserviert, aber keineswegs unfreundlich. Das Mayabrauchtum wird noch nahezu im ganzen Lande voll ausgelebt. Ich dachte vor unserer Reise, die Maya gab´s mal vor tausend Jahren und sind nun eine bereits ausgestorbene Hochkultur. Dem ist nicht so und das ist eine Faszination, die sich wie ein roter Faden durch die letzten Wochen gezogen hat. Die Landschaft ist der Hammer. Egal ob auf Busfahrten oder einem Tagesausflug - wir konnten uns an ihr nicht sattsehen. Wir haben von den Dingen, die man in Guatemala alles machen kann, ungefähr die Hälfte gesehen und waren kontinuierlich unterwegs (bis auf ein paar Bonustage am Atitlán). Ich würde sagen zweieinhalb Monate brauch man schon, um alles in Ruhe zu sehen. Das zeigt auch, wie vielfältig das flächenmäßig nicht allzu große Land ist. Ein letztes Wort zur Sicherheit: Auch hier hatten wir keinerlei Bedenken oder landeten in komischen Situationen. Mancher Mexikaner hatte uns gewarnt, vorsichtig zu sein. Doch im eigenen Land ist es ja bekanntlich immer sichersten und woanders leben nur Irre :-)


Vulkanpanorama





in der Stadt







Touristen vs Schlepper

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