Markt in Chichicastenango
Weiter ging es mit dem Chickenbus nach Chichicastenango. Ja, die Namen so mancher Ortschaft in Guatemala haben schon etwas für sich. Auch Chichicastenango hat eine Kurzform und wird daher von den Locals einfach nur Chichi genannt. Die Fahrt hierher war recht unkompliziert. Den Großteil der Strecke fuhren wir durch, nur die letzten zwanzig Kilometer mussten wir nochmal umsteigen. Zum Glück, denn dieser Bus war der vollste Bus, den wir je gefahren sind. Wir bekamen die letzten beiden "Plätze" im Mittelgang in der ersten Reihe. Mindestens zu dritt sitzt man dann auf einer Bank für zwei und in manchen Bussen gibts noch Klappsitze, wie in diesem Bus auch. Damit können dann zusätzliche Fahrgäste mitgenommen werden, die es sich im Mittelgang bequem machen. Nicht selten hängen die Mülleimer in diesen Bussen auf oder über Fensterhöhe, auf dem Boden gibt es kaum einen freien Quadratzentimeter. Mit dem Fahrstil der Fahrer hatten wir bislang wirklich Glück. Wo wir uns mit Jenny aber immer wieder entsetzt anschauen ist, wenn wir den Busbegleitern zuschauen. Dieser ist quasi die rechte Hand des Busfahrers und er kümmert sich um das Gepäck, das Einsammeln des Fahrgeldes und meist steht er an der offenen Tür und posaunt den Namen des Ortes, der angesteuert wird durch die Gegend. Er klettert auch bei voller Fahrt von der offenen Tür aufs Dach, wenn das Gepäck mal nicht halten will. Zeit ist Geld und deshalb wird solcher Banalitäten wegen doch nicht angehalten. So mancher schwingt sich dann vom Dach durch die Tür zurück in den Bus - wohlgemerkt bei voller Fahrt. Alarm für Kobra 11 ist Kinderkacke dagegen. Wie auch immer, wir erreichten Chichi nach guten drei Stunden und waren mal wieder in einem Ort gelandet in dem Tradition noch groß geschrieben wird. So mancher würde auch sagen, dass es hier noch recht mittelalterlich zu geht. Wir fanden eines der wenigen Hostels abseits des Hauptplatzes, auf dem jeden Tag Markttag ist. Strom gab es an diesem Tag erst ab 17.45 Uhr, von Internet brauchen wir nicht zu reden. Der Grund nach Chichi zu kommen ist, um sich an einem Donnerstag oder Sonntag den Markt anzuschauen. An diesen Tagen breitet sich der ohnehin schon große Markt über die gesamte Stadt aus. Und so war es dann auch. Jede noch so kleine Seitenstraße war zum Bersten voll mit etlichen großen und kleinen Ständen. Es ist einer der größten Märkte im ganzen Land und viele Menschen kommen noch per Fuß aus den umliegenden Dörfern in die Stadt um ihre Waren anzubieten. Es gibt zum großen Teil wieder viel Mayazeug: bunte Stoffe, Masken, Schmuck, Holzarbeiten, Messer und natürlich Essen. Es gibt auf solchen Märkten nichts was es nicht gibt. Da laufen Menschen durch die Menge, die haben nur ein paar Plastikhocker oder Besen in der Hand und wollen die verkaufen. In Xela verirrten wir uns am Abreisetag auch auf solch einen riesigen Lokalmarkt und ohne Witz, da hat sogar einer Gebisse angeboten. Ansonsten hat Chichi noch den buntesten Friedhof den wir je gesehen haben. Dorthin machten wir auch einen Abstecher und es brannten viele Feuer, wie wir sie auch schon vor den beiden Kirchen am Markt gesehen haben. Was genau da verbrannt wurde, keine Ahnung. Die Menschen warfen immer eine Handvoll Pulver oder Reis hinein, anscheinend war es Teil einer Zeremonie.
Einen Schlepper lernten wir auch mal wieder kennen, José. Erst zeigte er uns ein vermeintlich günstiges Restaurant (war für den hiesigen Maßstab doch nicht so günstig) und dann organisierten wir über ihn noch unsere Weiterfahrt nach Lanquin. Eigentlich war unser Plan gewesen noch zwei Zwischenhalte einzulegen, weil die Strecke ziemlich lang und mit dem Chickenbus sowieso keine Direktverbindung möglich war. José schlug uns ein recht gutes Angebot vor: mit einem Shuttlebus direkt nach Lanquin in 6-7 Stunden und das für 200 Quetzal pro Person (25 Euro). So entschieden wir uns nun diesmal für die bequeme Variante und tatsächlich wurden wir halbwegs pünktlich von José abgeholt. Um 9.30 Uhr sollte es losgehen, doch José machte gleich einen auf "wir haben heute ganz viel Zeit, Freunde". Nun gut, wir hatten ja noch nichts bezahlt und kein Zimmer im Voraus gebucht. Wir waren völlig flexibel wie es uns am besten gefällt. Ich war etwas erleichtert noch zwei andere Paare warten zu sehen, als wir am Abfahrtsort ankamen. Immerhin würde hier heut wirklich noch was abfahren. Wir unterhielten uns mit dem Ehepaar aus Rom und ich schaute auf ihre Quittung, die José grad prüfte. 2x250Q. Ich zog José beiseite und fragte wann ich ihm die 400 Quetzal bezahlen solle. "Oh Amigo, es sind 500 Quetzal, 250 pro Person, also für euch beide 500." - "Du hast 200 gesagt und selbst da haben wir schon überlegt. Warum sagst du 200, wenn es 250 sind?" - "Ja ich weiß, es sind aber 250 und hey, die anderen haben auch 250 gezahlt. Das wäre jetzt doch voll unfair, wenn ihr nur 200 zahlt." Ah ja, die Masche also. "Nein, du hast 200 gesagt. Sonst fahren wir nicht mit." - Nun wird José immer leiser und geht auf Nummer sicher, dass uns ja niemand hören kann. "Amigo, okay okay, 450 für euch beide, einverstanden?" -"Nein, 400 Quetzal." - "Komm schon 440, jeder 20 mehr. 200 kostet die Fahrt, der Rest ist Provision. Jeder 20 mehr für den guten alten José." Hundeblick. Währenddessen rufe ich Jenny heran und schildere schnell die Situation. Dieser Kerl hat uns schon beim Restaurant abgezogen. Wir blieben standhaft, zumal wir mittlerweile ein gutes Gefühl für die Preise bekommen haben. Eine Gallone (3,78l) Benzin kostet drei Euro, der Liter somit ca. 80 Cent. Selbst so eine relativ lange Strecke kostet niemals 25 Euro pro Person. Die Touristenshuttles verdienen mitunter das beste Geld in diesem Land. "Nein Jose, du hast uns angeschwindelt. Wenn nicht, dann nicht. Fahren wir heut halt nur nach del Quiche oder Uspantan" - "OKAY OKAY OKAY, 400 Amigo, kein Problem, kein Problem. Ich mach dir einen Vorschlag. Du gibts mir die 400 und entscheidest selbst, ob du mir mehr geben möchtest oder nicht." Wie er das sagte, das hätte ich zu gern gefilmt. Jetzt waren wir quasi in der Situation, dass wir richtige Arschlöcher wären, wenn wir ihm "nur" die vereinbarten 400 Quetzal geben würden, von denen wir ja wussten, dass selbst da noch für den guten José was abfallen würde. José weiter: "Ja ich habe gelogen, die Fahrt kostet 250, dann muss ich halt aus eigener Kasse die 100 extra bezahlen. Ja, ich habe einen Fehler gemacht. Ich bin Schuld..." In Hollywood hätte er es mindestens zum B-Promi geschafft. Aber wir blieben standhaft, haben wir doch in nahezu identischen Situationen schon einiges an Lehrgeld bezahlt. Der Bus kam übrigens auch fast eine Stunde zu spät. Kurz vorm Einstieg fragte José noch, ob wir wirklich kein Trinkgeld hätten, verabschiedete uns dann aber doch...
Ich wollte diese Situation einmal so minutiös schildern, weil das ab und an mal vorkommt. Aber wenn, dann nahezu immer ganauso. Bei bestimmten Personengruppen darf man einfach nicht einknicken. Und diese Schlepper sind wahre Meister darin die Gefühle des Gegenüber zu beeinflussen und beliebig damit zu spielen. Alte Menschen und Behinderte bekommen fast immer etwas, am besten direkt in Form einer Mahlzeit. Gerne auch Straßenkünstler. Aber Kinder und Abzocker gehen gar nicht.
Wie auch immer, auf in den Dschungel!
Einen Schlepper lernten wir auch mal wieder kennen, José. Erst zeigte er uns ein vermeintlich günstiges Restaurant (war für den hiesigen Maßstab doch nicht so günstig) und dann organisierten wir über ihn noch unsere Weiterfahrt nach Lanquin. Eigentlich war unser Plan gewesen noch zwei Zwischenhalte einzulegen, weil die Strecke ziemlich lang und mit dem Chickenbus sowieso keine Direktverbindung möglich war. José schlug uns ein recht gutes Angebot vor: mit einem Shuttlebus direkt nach Lanquin in 6-7 Stunden und das für 200 Quetzal pro Person (25 Euro). So entschieden wir uns nun diesmal für die bequeme Variante und tatsächlich wurden wir halbwegs pünktlich von José abgeholt. Um 9.30 Uhr sollte es losgehen, doch José machte gleich einen auf "wir haben heute ganz viel Zeit, Freunde". Nun gut, wir hatten ja noch nichts bezahlt und kein Zimmer im Voraus gebucht. Wir waren völlig flexibel wie es uns am besten gefällt. Ich war etwas erleichtert noch zwei andere Paare warten zu sehen, als wir am Abfahrtsort ankamen. Immerhin würde hier heut wirklich noch was abfahren. Wir unterhielten uns mit dem Ehepaar aus Rom und ich schaute auf ihre Quittung, die José grad prüfte. 2x250Q. Ich zog José beiseite und fragte wann ich ihm die 400 Quetzal bezahlen solle. "Oh Amigo, es sind 500 Quetzal, 250 pro Person, also für euch beide 500." - "Du hast 200 gesagt und selbst da haben wir schon überlegt. Warum sagst du 200, wenn es 250 sind?" - "Ja ich weiß, es sind aber 250 und hey, die anderen haben auch 250 gezahlt. Das wäre jetzt doch voll unfair, wenn ihr nur 200 zahlt." Ah ja, die Masche also. "Nein, du hast 200 gesagt. Sonst fahren wir nicht mit." - Nun wird José immer leiser und geht auf Nummer sicher, dass uns ja niemand hören kann. "Amigo, okay okay, 450 für euch beide, einverstanden?" -"Nein, 400 Quetzal." - "Komm schon 440, jeder 20 mehr. 200 kostet die Fahrt, der Rest ist Provision. Jeder 20 mehr für den guten alten José." Hundeblick. Währenddessen rufe ich Jenny heran und schildere schnell die Situation. Dieser Kerl hat uns schon beim Restaurant abgezogen. Wir blieben standhaft, zumal wir mittlerweile ein gutes Gefühl für die Preise bekommen haben. Eine Gallone (3,78l) Benzin kostet drei Euro, der Liter somit ca. 80 Cent. Selbst so eine relativ lange Strecke kostet niemals 25 Euro pro Person. Die Touristenshuttles verdienen mitunter das beste Geld in diesem Land. "Nein Jose, du hast uns angeschwindelt. Wenn nicht, dann nicht. Fahren wir heut halt nur nach del Quiche oder Uspantan" - "OKAY OKAY OKAY, 400 Amigo, kein Problem, kein Problem. Ich mach dir einen Vorschlag. Du gibts mir die 400 und entscheidest selbst, ob du mir mehr geben möchtest oder nicht." Wie er das sagte, das hätte ich zu gern gefilmt. Jetzt waren wir quasi in der Situation, dass wir richtige Arschlöcher wären, wenn wir ihm "nur" die vereinbarten 400 Quetzal geben würden, von denen wir ja wussten, dass selbst da noch für den guten José was abfallen würde. José weiter: "Ja ich habe gelogen, die Fahrt kostet 250, dann muss ich halt aus eigener Kasse die 100 extra bezahlen. Ja, ich habe einen Fehler gemacht. Ich bin Schuld..." In Hollywood hätte er es mindestens zum B-Promi geschafft. Aber wir blieben standhaft, haben wir doch in nahezu identischen Situationen schon einiges an Lehrgeld bezahlt. Der Bus kam übrigens auch fast eine Stunde zu spät. Kurz vorm Einstieg fragte José noch, ob wir wirklich kein Trinkgeld hätten, verabschiedete uns dann aber doch...
Ich wollte diese Situation einmal so minutiös schildern, weil das ab und an mal vorkommt. Aber wenn, dann nahezu immer ganauso. Bei bestimmten Personengruppen darf man einfach nicht einknicken. Und diese Schlepper sind wahre Meister darin die Gefühle des Gegenüber zu beeinflussen und beliebig damit zu spielen. Alte Menschen und Behinderte bekommen fast immer etwas, am besten direkt in Form einer Mahlzeit. Gerne auch Straßenkünstler. Aber Kinder und Abzocker gehen gar nicht.
Wie auch immer, auf in den Dschungel!
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