San Salvador

Um Haaresbreite wären wir für immer und ewig in El Tunco hängen geblieben. Doch der deutsche Teil in uns erinnerte an das langsam aber sicher ablaufende 90-Tage Visa, welches auch noch für Nicaragua und Honduras herhalten muss. Und von El Salvador haben wir ja bislang auch nur die Strände gesehen. So gings erstmal in die Hauptstadt. Wir hatten vorab ein Zimmer gebucht, welches wir zügig fanden. Unsere Gastfamilie, bestehend aus Eduardo, Krecia und Nancy, war sehr nett. Wir durften sogar den privaten Teil der Küche mitnutzen. Das Zimmer war auch sehr sauber und gut ausgestattet und jeden Morgen gabs noch ein leckeres Frühstück. Vier Tage blieben wir in San Salvador, einer recht hübschen Stadt, die aber auch einige Ecken hat, die man besser meidet. Zunächst besuchten wir die gängigen Plazas, Kirchen und Theater, die hier allesamt in sehr gutem Zustand sind. Dort fanden wir auch den "Markt", der sich quasi über ein Straßennetz von zehn mal sechs Blocks zog. Es gab mal wieder alles, was man sich nur vorstellen kann. Einen anderen Tag fuhren wir ins gentrifizierte Santa Tecla raus und schlenderten herum. Danach gings noch auf den Vulkan El Boqueron, der in seinem Krater noch einen zweiten, kleineren Krater zu bieten hat. Außerdem besuchten wir den botanischen Garten, wo wir es einem einheimischen Paar gleichtaten und uns am Zuckerrohr bedienten. Abends im Hostel verbrachten wir die Zeit mit der Kunststudentin Krecia, die uns ihre Bilder zeigte. Eduardo erzählte uns einiges über sein Land und gab uns Tipps für die Weiterreise. Nancy regelte derweil den Haushalt und kochte sehr oft.
El Salvador und Honduras werden ja alljährlich von den USA zu den gefährlichsten Ländern der Welt außerhalb von Kriegsgebieten auserkoren. Je nach Jahr (und wer grade Präsident ist) werden hier zwischen 5 und 15 Menschen pro Tag ermordet. Allerdings muss man wissen, dass es sich dabei ausschließlich um Bandenkriminalität handelt und diese in für Touristen ohnehin uninteressanten Gegenden stattfindet. Daher sollte das kein Grund sein nicht hierher zu kommen. In der Innenstadt patroulliert die Polizei und vor jedem Tante-Emma-Laden stehen bewaffnete Militärs, die für Abschreckung sorgen (aus Bandensicht).
Wir haben mit den Menschen hier bislang sogar sehr positive Erfahrungen gesammelt. Zum Beispiel stehen sie in öffentlichen Verkehrsmitteln auf, wenn wir mir unseren Reiserucksäcken reinkommen, damit wir nicht die ganze Zeit stehen müssen. Wenn wir mal auf die Karte schauen und nicht weiter wissen, kommt stets jemand an und fragt, ob er helfen kann. Am Abreisetag gabs ein paar Kommunikationsprobleme auf der Suche nach dem richtigen Busbahnhof. Eine Frau und ihre Tochter bemerkten unsere Verzweifelung und wollten uns sogar ins 60 Kilometer entfernte Suchitoto fahren. Generell wurden wir schon so häufig wie nirgends sonst einfach angesprochen und gefragt woher wir kommen, wie lange wir bleiben und warum wir überhaupt hier sind. Das gefällt uns sehr und bringt das Eis schnell zum brechen, zumal hier überdurchschnittlich viele Menschen englisch können (sogar richtig gut). Erst heute im Supermarkt haben wir mit einer alten Oma geplaudert, sie hat 23 Jahre in Los Angeles gelebt. Erinnert uns alles etwas an die Menschen in Albanien. Sie wissen um ihren internationalen Ruf und sind umso glücklicher und stolzer wenn sich doch ein paar Touristen nach El Salvador verirren. Nach vier Tagen und fünf Nächten ging es dann aber weiter. Wir sind keine Großstadtfreunde.




auf zum Boqueron!
 


 Santa Tecla
 


im botanischen Garten
 






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