Die Lagune der sieben Farben

War Tulum schon ein recht kleiner Ort, ist Bacalar ein wirkliches Dorf. Nach zweieinhalb Stunden mit dem Bus erreichten wir diesen verschlafenen Ort. Der einzige Grund hierher zufahren ist, um die Lagune zu sehen. Sie grenzt direkt an den Ort, sodass wir in fünf Minuten von unserer Unterkunft aus dorthin kamen. Allerdings ist sie sehr zugebaut, aber wir fanden recht schnell einen öffentlichen Platz am Ufer. Das Wetter am Ankunftstag war eher dürftig, sodass wir nur zwei Wasserfarben wahrnehmen konnten. Die Lagune trägt nämlich den Beinamen "Lagune der 7 Farben", welche sich auf die unterschiedlichen Blautöne des Wassers beziehen. Wir sprangen trotz des regnerischen Wetters ins warme Nass und planschten etwas herum. Danach gingen wir essen. Viel Auswahl gab es allerdings nicht. Als wir am nächsten Tag wach wurden, hatten wir trotz des schlechten Wetterberichts Glück. Nur ein paar wenige Wolken waren am Himmel und die Sonne zeigte ihre Pracht. Sofort gingen wir frühstücken und machten dann eine zweistündige Bootstour mit. Und was soll ich sagen, das Wasser sah wirklich prächtig aus und Jenny zählte zwar nicht sieben, aber immerhin fünf Farben. Die Lagune ist übrigens sehr weitläufig. Sie ist zwar nur ein Kilometer breit, aber immerhin vierzig Kilometer lang. Es gab auch noch ein Schiffswrack inmitten der Lagune. Dort verweilten wir eine zeitlang. Teilweise war es so flach, dass wir nur bis zu den Knien im Wasser standen. Ein paar Meter weiter konnten wir dann schon wieder nicht mehr stehen. Unsere Besatzung am Boot war mit einer mexikansichen Familie und einem italienischem Paar sehr symphatisch. Die Italiener, Gabriel und Eleonora aus Mailand, lernten wir dann etwas besser kennen. Als wir vom Piratenschiff wieder abfahren wollten, suchte uns schon der Bootsmann. Gabriel meinte daraufhin, dass es doch gar nicht sein könne, dass wir uns als Deutsche verspätet als letztes am Boot einfanden. Und als wir dann auch noch das Bier ablehnten, dass uns die Mexikaner anboten, schlug er die Hände über den Kopf:"Zwei unpünktliche Deutsche, die kein Bier trinken. Ich fasse es nicht!" Der Ausflug war es nicht nur wert, sondern hatten wir auch richtig Glück mit der Sonne und dem Farbspiel. Den Rest des Tages wurde es wieder wolkig und regnete hin und wieder. Und auch am zweiten Tag ließ sich die Sonne nicht weiter blicken. Wir legten uns dann an den Strand und lasen ein wenig, da lernten wir schon wieder ein anderes Paar kennen. Stefan und Katja aus Hildesheim begannen ebenso ihre Reise in Mexiko. Allerdings war Mexiko für die beiden nur der Start einer kompletten Weltumrundung, die in einem halben oder dreiviertel Jahr in Südafrika enden soll. Das ist uns dann doch etwas zu schnell. Auf den letzten Reisen haben wir gelernt, dass diesbezüglich weniger mehr ist. Sonst verbringt man seine Zeit viel zu oft auf langen Busfahrten und auf Flughäfen. Ob ihr es glaubt oder nicht, nicht wenige Langzeitreisende erleiden im Laufe der Zeit einen Travel-Burnout. Irgendwann ist das Gehirn dermaßen reizüberflutet, dass es keine neuen Eindrücke mehr verarbeiten kann beziehungsweise man einfach keine Freude mehr dabei empfindet. Das geht vielleicht ein paar Monate gut, aber dann braucht man eine Pause. Das ging uns in Asien ähnlich. Die Aufenthalte pro Ort verlängerten sich von anfänglich zwei bis drei Tagen allmählich auf ein bis zwei Wochen. Und wären wir noch länger geblieben, dann wohl auch mal ein paar Monate an nur einem Ort.
Aber mal abgesehen von der Lagune gibt es in Bacalar nicht viel zu sehen, sodass dieses Problem hier keinen Reisenden zu schaffen machen dürfte. Erwähnenswert ist noch die mennonitsche Gemeinschaft, die hier neben den Einheimischen lebt. Mennoniten sind einst aus Norddeutschland ausgesiedelt. Es gibt weltweit zahlreiche Gemeinden und die wohl berühmteste Abspaltung der Mennoniten sind die Amish in den USA. Wer noch nie von diesen Menschen gehört hat, hier eine kleine Profilbeschreibung: Sie haben meist blonde Haare, helle (meist blaue) Augen, sind streng gläubig, reden plattdeutsch und lehnen technischen Fortschritt ab. Das führt zu einer ultra urspünglichen Lebensweise. Doch gerade heutzutage in einer Zeit, in der sich die Welt immer schneller zu drehen scheint, finde ich solche Lebensmodelle recht interessant. Zumindest einige Aspekte davon. Ein markantes Merkmal der Männer sind die Hosenträger und ein Strohhut. Die Frauen tragen altertümliche Kleider. Sie leben in kleinen Gemeinden, nicht selten komplett isoliert von allen anderen Menschen und erwerben ihren Lebensunterhalt mit Landwirtschaft. Es gibt grob zwei Strömungen. Die einen lockern ihren Lebensstil etwas auf und gehen etwas mit der Zeit, wenn auch nur in ganz wenigen Lebensbereichen. Da wird dann auch schon mal ein Pickup gefahren. Die anderen sind richtig hardcore unterwegs und nutzen nicht einmal Strom, geschweige denn Internet. Selbst bei der Landwirtschaft werden auf Traktoren verzichtet und die Acker noch per Pferd umgepflügt. Fortbewegungsmittel ist dann die Kutsche. Auf jeden Fall interessante Menschen, nur kommt man glaube ich nicht so einfach an sie heran. In Bacalar sahen wir jeden Tag einige, doch als wir sie grüßten schauten sie uns nur emotionslos an. Sie haben eine sonderbare Ausstrahlung, sodass ich mich nicht traute ein Foto von ihnen zu machen. Ich habe dann etwas recherchiert, doch schien unser erster Eindruck von ihnen auch etwas streng gewesen zu sein. Manch ein Reisender berichtete nämlich von einer oder zwei Übernachtungen in einem mennonitschen Dorf. Wie auch immer, nach drei Tagen verließen wir Bacalar dann wieder und fuhren zurück nach Tulum. Dort nahmen wir ein kurzes Mittagessen und es ging noch am gleichen Tag weiter nach Valladolid.


  

 

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